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Zukunft des Tourismus

Dr. Ulrich Reinhardt ist einer der führenden Köpfe der Zukunftsforschung in den Bereichen demografischer Wandel, Freizeit- und Tourismusverhalten der Deutschen, Mobilität und künstliche Erlebniswelten. Er ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der BAT Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg und veröffentlichte 2009 sein jüngstes Buch „Wie Europäer ihre Zukunft sehen“. LOUNGE 8 sprach mit ihm über das Reiseverhalten der Deutschen in Zukunft.

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Dr. Ulrich Reinhardt, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der BAT Stiftung für Zukunftsfragen
Welche Ziele verfolgen sie mit Ihren Forschungsarbeiten bzw. welche Ziele hat die BAT-Stiftung?
Dr. Reinhardt: Das Ziel der BAT-Stiftung ist herauszufinden: Was will der Mensch? Es geht dabei um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Zukunftsfragen sowie die Entwicklung von Ansätzen zur nachhaltigen Lösung künftiger Gesellschaftsprobleme.

Welche Aspekte spielen im Tourismus künftig die entscheidende Rolle?
Dr. Reinhardt: In Zukunft sind im Tourismus drei Faktoren entscheidend: Punkt eins ist der Klimawandel, der die Reiseziele und damit die Tourismuswirtschaft deutlich beeinflussen wird. Der zweite Aspekt ist die Altersstruktur-Entwicklung: Die Bedürfnisse von Singles, Paaren und Senioren rücken in den Vordergrund. Der dritte zentrale Zukunftsaspekt ist die aktuelle Wirtschaftskrise mit ihren langfristigen Folgen. Zwar ist für Deutsche der Urlaub immer noch das, worauf die Wenigsten verzichten wollen. Aber die Urlaube werden kürzer, dafür der Anspruch an die wenigen Tage deutlich höher. Der Urlaub soll intensiv und mit vielfältigen Aktivitäten erlebt werden.

Urlaube werden kürzer, dafür der Anspruch an die wenigen Tage deutlich höher. Der Urlaub soll intensiv und mit vielfältigen Aktivitäten erlebt werden.

Welche gesellschaftlichen Entwicklungen werden die Urlaubsplanungen beeinflussen?
Dr. Reinhardt: Die Gesellschaft spaltet sich weiter auf, immer weniger Menschen werden sich Urlaub leisten können. Nicht umsonst beobachten wir das Phänomen der Luxese – ein Kombibegriff aus Luxus und Askese: Unter der Woche Aldi, am Wochenende darf es schon mal das Luxusessen sein. Für die Fahrt in den Urlaub genügt der Billigflieger, vor Ort gönnt man sich aber das 5-Sterne Luxushotel. Insgesamt wird der Konsument anspruchsvoller und fordert vielseitigere Wahlmöglichkeiten, um seine Ausgaben in kürzerer Zeit gezielter einsetzen zu können.

Welche Reiseziele werden künftig besonders gefragt sein?
Dr. Reinhardt: Deutschland ist und bleibt Reiseziel Nummer 1, ansonsten höchstens Europa. Das gilt für etwa 96 Prozent der deutschen Urlauber. Abenteuer- oder Extremtourismus machen hier nur einen minimalen Anteil aus. Deutsche wollen im Urlaub an den Strand, wollen den Kontrast zum Alltag, Erholung und aktiv was erleben – letzteres schon allein aus Imagegründen. Aber bitte keine Experimente, genauso wenig wie Abstriche in Komfort oder Sicherheit.
Bis etwa 2030 werden wir verstärkt eine Art Gesundheits-Tourismus sehen, ähnlich wie früher der Kur-Tourismus. Dies wird einer der Effekte sein, die durch den Wandel der Altersstrukturen mit steigender Anzahl an älteren Menschen bedingt sind.

Individual-Tourismus ist weitestgehend eine Illusion.

Die meisten denken von sich, dass sie sehr individuell leben und handeln – ist das tatsächlich so?
Dr. Reinhardt: Ganz und gar nicht. Individual-Tourismus ist weitestgehend eine Illusion. Gefragt ist mehr eine Art Baustein-Tourismus, der Urlaubsmodule kombiniert. Die Risiko- oder Experimentierbereitschaft ist dabei aber kaum höher als bei Pauschalreisen. Obwohl der Wunsch nach Abenteuer durchaus vorhanden ist: Befragt man Deutsche, ob sie im Alter gerne mit dem Wohnmobil durch die USA reisen würden, antworten 78 Prozent mit ja. Aber nur 0,01 Prozent realisieren diesen Wunsch letztlich.

Welche globalen Tendenzen werden den Tourismus verändern?
Dr. Reinhardt: Wenn die Menschen aus den heute noch als Schwellenländern geltenden Regionen anfangen zu reisen, wird sich vieles verändern. Aktuell können beispielsweise nur etwa zwei Prozent der Chinesen vereisen. Wenn dazu erst mal zehn Prozent in der Lage sind, zeigt das auch im europäischen Tourismus enorme Wirkung. Ähnliches gilt für Indien.


In ihrer 25. Deutschen Tourismusanalyse fand die BAT Stiftung für Zukunftsfragen teils erstaunliche Trends über die Reiseziele und Absichten der Deutschen. Hier einige Ergebnisse:

  • Eine Zweit- oder Drittreise leisten sich 2009 wohl nur noch 11.6 % der Deutschen (2008: 15,7%; 2007: 16,4%)
  • Deutschland ist beliebtestes Reiseziel mit steigender Tendenz: (2005: 32%; 2006: 34%; 2007: 36%; 2008: 38%)
  • Mehr als jeder fünfte Inlandsurlauber (22,9%) hielt sich 2008 in Bayern auf, dicht gefolgt von den Ostseeurlaubern (20,1%). Nordseeküste und Nordseeinseln müssen weiter um ihre Anteile (14,8%) kämpfen, wie Bodensee und Schwarzwald auch (7,7%)
  • Die Sehnsucht nach Sonne überstrahlt alle anderen Reisewünsche. Infolgedessen dominierten in der vergangenen Reisesaison mediterrane Sommerziele wie Spanien (12,3%), Italien (7,2%) und die Türkei (6,3%).
  • Nach wie vor stark nachgefragt sind osteuropäische Ziele (Ungarn/Polen: 3,7%) sowie Kroatien und Slowenien (2,8%). Mit größerem Abstand folgen dann Fernreiseziele wie USA (1,5%), Karibik (1,3%) und Asien (1,2%).
  • Es zeichnet sich eine Mobilitätswende im Tourismus ab: Das Auto (2008: 51%) hat das Flugzeug (2008: 34%) wieder überholt. In Zeiten knapper werdender Urlaubsbudgets rechnet sich das Auto wieder.
  • Männer geben im Urlaub mehr aus (1.019 Euro) als Frauen (909 Euro), Singles (1.013 Euro) mehr als Familien (813 Euro). Und auch Großstädter leben im Urlaub auf großem Fuß (1.072 Euro), während das Urlaubsbudget von Landbewohnern deutlich bescheidener ausfällt (862 Euro).
  • Zwei Drittel aller Urlauber (66%) gehen regelmäßig schwimmen. Mehr als jeder Dritte (36%) hat das Wandern, Bergsteigen und Trekking als Urlaubserlebnis entdeckt. Und fast jeder fünfte Urlaubsreisende (19%) sucht sich Ferienregionen aus, in denen man tauchen, segeln oder surfen kann. Genauso groß ist die Gruppe der Radfahrer und Mountainbiker (19%). Dagegen führen Reiten und Golfspielen (je 2%) fast ein Schattendasein. Und nur zwei von hundert Urlaubsreisenden (2%) können sich für Skifahren oder Snowboarden begeistern, während beispielsweise der Anteil von Anhängern neuer Gesundheitssportangebote wie Yoga und Pilates mittlerweile schon doppelt so hoch ist (4%).

Mehr Informationen unter http://www.stiftungfuerzukunftsfragen.de
 
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Südafrika-Reisen 2010

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